Freiwild und der Werberat

Freiwil Natural Energy Drink

Im Jahre 2074 herrscht Weltfrieden. Auf der Erde wird überall Freiwild getrunken, und die Menschen ernähren sich gesund und haben genug Energie für die guten Dinge im Leben. Durch einen Fluxkompensator wurde folgender Dialog in unsere Zeit übermittelt:

Spätsommerabend 2074, Terrasse eines gutbürgerlichen Wohnhauses. Urgroßvater (im Frühjahr gerade hundert geworden) sitzt in seinem Schaukelstuhl, vor ihm im Schneidersitz seine 16jährige Urenkelin. Beide haben eine Flasche ihres Lieblings-Freiwildgetränks aufgemacht und prosten sich fröhlich zu.

Urenkelin:
Aah, ist das lecker. Opa, erzählst Du mir ne Geschichte? Von damals, als das mit Freiwild so richtig losging. Du warst da doch dabei.

Uropa:
Klar, das waren noch Zeiten. Damals gab es noch Glühbirnen und Autos mit Benzinmotor. Und so komische Vereine wie den deutschen Werberat.

Urenkelin:
Was war der deutsche Werberat?

Uropa:
Ach, das ist gar nicht so wichtig, allerdings haben die den Erfindern von Freiwild einen Brief geschrieben, weil sie nichts verstanden haben.

Urenkelin:
Ja? Was stand denn in dem Brief drin?

Uropa:
Och, Freiwild sei frauenverachtend, sexistisch und diskriminierend. Und dass Freiwild eine ständige Verfügbarkeit von Frauen suggerieren würde.

Urenkelin:
Was? Das kann ich mir ja gar nicht vorstellen.

Uropa:
Sag ich ja, nix verstanden, die Leute. Weißt Du, irgendwie war das typisch für die damalige Zeit. Es herrschte eine Wirtschaftskrise und es war klar, dass irgendjemand an einer interessanten und frechen Geschäftsidee junger Existenzgründer etwas auszusetzen hatte. Freiwild stand von Anfang an für Natürlichkeit, und das erste Freiwildgetränk, mit dem Schwarzwaldmädel drauf, war eine reine Biobrause, absolut alkoholfrei. Das war das erste Getränk unter einer Marke, und die Frau war nur ein Motiv daraus. Das Image und das Selbstverständnis von Freiwild bezog sich auf Menschen, die jung im Geiste, selbstbewusst, tough und sexy sind – Frauen wie Männer. Der Vorwurf war einfach irrwitzig, in ihrem Team waren ja auch Frauen. Und die Freiwildtruppe war ein Paradebeispiel dafür, wie Frauen und Männer gemeinsam an einem Strang ziehen, weil sie alle an die Sache geglaubt haben. Größere Distanz zu Frauenverachtung kann man kaum haben.

Urenkelin:
Dabei waren die Freiwildmacher immer bestrebt gute Werte und Traditionen mit Fortschritt und Modernität zu verbinden. Also, so hab ich das zumindest in der Schule gelernt.

Uropa:
Genau. Die Zeit schreitet immer voran, nichts bleibt stehen. Zu der Zeit war Flatratesaufen bei den jungen Leuten total in. Freiwild hat da zum Glück einen Gegentrend gesetzt. Schließlich ist es besser, wenn ihr jungen Leute einen klaren, nüchternen Kopf habt und eure Energie für was Vernünftiges einsetzt.

Urenkelin:
Nach dem Brief ging es doch erst richtig los mit Freiwild. Und was habt ihr dann mit dem Werberat gemacht?

Uropa (schaut auf das Etikett der Flasche, schmunzelt und nimmt einen großen Schluck):
Mein Liebes, wir haben einfach nur herzlich gelacht.

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